Botanischer Garten - Düzce Universität

Im Norden der Stadt Düzce, im Zentrum des Konuralp-Campus der Düzce Universität, wurde ein rund 51.500 m² großes natürliches Tal zu einem Botanischen Garten entwickelt, der dem Campusleben eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Dimension hinzufügt. Das 2017 entwickelte Projekt entstand für eine Fläche, die bereits 2014 im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungsplans als Botanischer Garten ausgewiesen worden war, und basiert auf einem ganzheitlichen Landschaftskonzept, das Forschung, Naturschutz und Erholung auf Ebene der Universität, der Stadt und der Region in einem zusammenhängenden System vereint.

Standortbedingungen und Entwurfsparameter
Zu den maßgeblichen Faktoren für die Gestaltungsentscheidungen zählten vor allem die physischen Eigenschaften und topografischen Merkmale des Geländes. Das Gelände wies auf regionaler Ebene ausgeprägte Hangneigungen auf; dieses starke Gefälle bildete jedoch keine homogene Struktur über das gesamte Areal, sondern erzeugte eine charakteristische Topografie mit wechselnden steilen und sanften Übergängen.
 
 
Diese Ausgangslage erforderte keinen konventionellen landschaftsarchitektonischen Ansatz, sondern ein System, das die natürliche Bewegung des Geländes liest und sich in diese einfügt. Auf dieser Grundlage entwickelten wir unser Gestaltungskonzept; gemeinsam mit unserem Team konzentrierten wir uns darauf, die natürliche Form des Geländes zu bewahren und die erschließungstechnisch anspruchsvollen sowie topografisch benachteiligten Bereiche durch die vorgeschlagenen räumlichen Lösungen aufzuwerten und in Qualitäten zu verwandeln.

 

Erschließungskonzept

Das daraus entwickelte Erschließungssystem verbindet Wege, die weitgehend parallel zum Hang verlaufen, über Rampen und Treppen miteinander. Dadurch entsteht eine schrittweise und zugleich kontinuierliche Verbindung zwischen den unterschiedlichen Geländeniveaus.

Die Steilheit des Tals wird somit nicht länger als Hindernis verstanden, sondern als räumliches Instrument genutzt, das die Besucher sukzessive in die Landschaft einführt und ihre Wahrnehmung des Gartens strukturiert.

 


Parzellierung und thematische Struktur

Die durch das Erschließungssystem definierten Parzellen wurden unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Expositionen und mikroklimatischen Bedingungen des Geländes in vierzehn thematische Einheiten gegliedert.

Bereiche wie der Steingarten, das Arboretum, eine Sammlung endemischer Pflanzenarten aus der Region Düzce sowie Zonen für die Vegetation feuchter Bachstandorte wurden als eigenständige Einheiten mit jeweils spezifischem ökologischem und ästhetischem Charakter entwickelt. Gleichzeitig ermöglicht die kontinuierliche Wegeführung, diese einzelnen Bereiche als Bestandteile eines zusammenhängenden räumlichen und landschaftlichen Systems wahrzunehmen.

 


Modellbau und Entwurfsentwicklung

Die Entwicklung des Entwurfs erforderte eine dreidimensionale Auseinandersetzung mit der Topografie und wurde durch physische Modellstudien in unterschiedlichen Maßstäben begleitet. Dabei konnten die Beziehungen zwischen den verschiedenen Geländeniveaus und die geplante Parzellierung fortlaufend überprüft und weiterentwickelt werden.

Gemeinsam mit unserem Team wurden im Verlauf des Entwurfsprozesses verschiedene Modelle erarbeitet, anhand derer das Verhältnis zwischen den bestehenden Standortbedingungen und den vorgeschlagenen Interventionen kontinuierlich überprüft und präzisiert wurde.

Nach Abschluss des Projekts entstand ein umfassendes Präsentationsmodell, in dem die Topografie des Geländes sowie die wesentlichen Entwurfsentscheidungen dargestellt sind. Das Modell wird bis heute in der Eingangshalle des Rektoratsgebäudes der Düzce Universität ausgestellt.

Pflanzensystem

Die Vegetationsstruktur bildet den wissenschaftlichen Rahmen des Projekts. Die Sammlung umfasst 438 verschiedene Arten und wurde anhand von Kriterien wie Form, Textur, Farbe und saisonaler Wirkung konzipiert. Ergänzend wurden Bereiche für die Ex-situ-Erhaltung von 71 in der Region heimischen endemischen Taxa integriert.

Die jahreszeitlich wechselnden Phasen von Blüte, Laubfall und Wachstum lassen den Garten nicht als statische Komposition erscheinen, sondern als eine sich kontinuierlich verändernde Landschaft, deren räumlicher Charakter sich im Jahresverlauf immer wieder neu entwickelt.

Bauliches Programm

Das bauliche Programm ergänzt das Pflanzensystem durch eine Reihe von Interventionen, die sowohl die wissenschaftliche Funktion des Gartens unterstützen als auch das Besuchererlebnis erweitern. Ein Biotopteich, Holz- und Stahlbrücken, ein Freiluft-Amphitheater, das Naturhaus-Museum sowie eine Cafeteria sind an unterschiedlichen Punkten des Tals angeordnet und ermöglichen sowohl eine wissenschaftliche als auch eine gesellschaftliche Nutzung des Areals.




Projektergebnisse und Interaktion

Kurz nach seiner Fertigstellung wurde das Projekt in das internationale Netzwerk der BGCI (Botanic Gardens Conservation International) aufgenommen und damit auf internationaler Ebene anerkannt. Der Botanische Garten der Düzce Universität wurde damit zu einem von nur zwölf Botanischen Gärten in der Türkei, die in diesem Netzwerk vertreten sind, sowie zu einem von sechs universitären Botanischen Gärten des Landes.

Heute besteht der Botanische Garten der Düzce Universität als lebendiges Landschaftssystem fort. Er stärkt die Verbindung zwischen dem Universitätscampus und der Stadt und bleibt zugleich ein sich kontinuierlich entwickelnder Raum, der Wachstum, ökologische Sukzession und Transformation über die Zeit zulässt.

* Zu diesem Tal, das in einen Botanischen Garten umgewandelt wurde, wurde auch eine wissenschaftliche Fallstudie veröffentlicht: Yerli, Ö., Eroğlu, E., Kaya, S. (2019), Uluslararası Hakemli Tasarım ve Mimarlık Dergisi (International Refereed Journal of Design and Architecture), Ausgabe 16, DOI: 10.17365/TMD.2019.1.1.

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